Borkenkäfer in der Wohnung: Was nun?

Infos zu Borkenkäfer in der Wohnung
Borkenkäfer in der Wohnung sind eher unwahrscheinlich.

Eigentlich leben Borkenkäfer in Wäldern. Und prinzipiell erfüllen sie dort eine wichtige und nützliche Funktion. Nur haben sich Borkenkäfer in den vergangenen Jahren so stark vermehrt, dass sie inzwischen zu echten Schädlingen geworden sind. Zu allem Überfluss befallen die Käfer nun immer öfter auch Bäume im Garten. Und der Weg vom Garten ins Haus ist nicht weit. Besteht also die Gefahr, dass sich die Borkenkäfer auch in der Wohnung ausbreiten? Wie lässt sich ein Befall vermeiden? Was ist bei einem Befall zu tun? Und wie lässt sich erkennen, ob es überhaupt Borkenkäfer sind, die ihr Unwesen treiben? Diese und weitere Fragen beantworten wir Ihnen in diesem Beitrag!

Schädliche Insekten möchte eigentlich niemand gerne um sich haben, schon gar nicht in der Wohnung. Gehen die Bäume und Pflanzen im Garten zunehmend ein, weil sie von Käfern befallen sind, ist das für den Hobby-Gärtner natürlich ärgerlich. Doch wenn dann auch noch Holzmehl unter Schränken liegt, Löcher das Parkett oder die Holzbalken durchziehen oder gar braune Tierchen herumkrabbeln, ist die Sorge groß.

Tatsächlich ist nicht ganz ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich, dass Borkenkäfer in der Wohnung unterwegs sind. Vermutlich werden es andere Käfer sein. Und selbst wenn es tatsächlich Borkenkäfer sind, richten sie in der Wohnung – anders als im Garten und im Wald – keine nennenswerten Schäden an. Warum das so ist und was Sie gegen die Plagegeister unternehmen können, erfahren Sie im Folgenden.

Woher kommen Borkenkäfer?

Allein in Europa sind gut 150 verschiedene Arten des Borkenkäfers heimisch, weltweit umfasst die Gattung um die 5.000 Arten. Kein Wunder also, dass es so gut wie keine Holzart gibt, die vor einer der vielen Borkenkäferarten sicher wäre.

Den meisten Menschen sind Borkenkäfer als Schädlinge ein Begriff. Schließlich machen sie immer wieder damit Schlagzeilen, dass sie große Schäden in Wäldern anrichten. Dabei sind Borkenkäfer zunächst einmal nützliche Tiere. Denn sie besiedeln schwaches oder schon abgestorbenes Gehölz und zersetzen dieses. Auf diese Weise entsteht Platz für neue Bäume, die besser zum jeweiligen Standort passen.

Heiße und trockene Sommer, heftige Stürme und andere klimatische Erscheinungen haben aber dazu geführt, dass sich die Borkenkäfer massenhaft vermehren konnten. Auch Waldflächen, die anstelle von Mischwald mit nur einer Holzart wie der Fichte oder der Tanne angelegt wurden, haben ihren Beitrag zur rasanten Vermehrung geleistet. In der Folge ist der Borkenkäfer zum Schädling geworden.

Und nicht nur das: Auf der Suche nach Futter und Nistplätzen zieht es die Borkenkäfer immer öfter auch in Zier- und Nutzgärten. Sind die Bäume im Garten befallen, kommt die Sorge auf, dass die Borkenkäfer schon bald in der Wohnung auftauchen könnten. Tatsächlich ist das möglich – aber kein Grund zur Panik.

Welche Borkenkäfer kommen im Garten vor?

Zu den Borkenkäfern (Scolytidae) gehören viele verschiedene Käferarten. Sie befallen in erster Linie geschwächte, kranke oder schon abgestorbene Pflanzen. Nimmt die Anzahl der Käfer überhand, können sie sich aber auch über gesunde Bäume hermachen.

In Wäldern, Parkanlagen und heimischen Gärten können mehrere Arten des Borkenkäfers auftauchen. Am häufigsten kommen aber der Buchdrucker und der Kupferstecher vor.

Der Buchdrucker

Der Buchdrucker ist ein brauner, etwa vier bis fünf Millimeter langer Käfer. Er hat ein großes Halsschild, unter dem sein Kopf kaum zu sehen ist. Da er zu den Rindenbrütern gehört, ernähren sich seine Larven von der Saft führenden Schicht unter der Borke.

Auf dem Speiseplan des Buchdruckers steht die Fichte an erster Stelle. Daneben ernährt er sich gerne von Douglasien, Lärchen, Schwarzkiefern und Weißtannen. Klettern die Temperaturen auf über 16,5 Grad Celsius und sind die Tage länger als 14 Stunden, verlässt der Buchdrucker sein Winterquartier. Meist ist das etwa Mitte April der Fall.

Hat sich der Buchdrucker erfolgreich in einen Baum eingefressen, produziert er oft eine Art Lockstoff, der weitere Borkenkäfer anzieht. Die Männchen bohren daraufhin Kammern, in denen sie sich mit den Weibchen paaren. Die Weibchen wiederum futtern Gänge in den Baumstamm und legen in den Nischen ihre Eier ab. Diese Gänge verlaufen in Längsrichtung des Baumstamms.

Etwa zehn Tage später schlüpfen die Larven. Auch sie fressen wieder Gänge ins Holz, meist senkrecht zu den Gängen der Weibchen. Je nach Witterung vergehen zwischen sechs und zehn Wochen, bis nach der Eiablage die jungen Borkenkäfer ausschwärmen. In einem warmen Frühjahr mit Temperaturen über 17 Grad Celsius können sich die Buchdrucker bis zu dreimal vermehren.

Der Kupferstecher

Wie der Buchdrucker gehört auch der Kupferstecher zu den Rindenbrütern. Und die beiden Borkenkäferarten sehen sich ziemlich ähnlich. Nur ist der Kupferstecher etwas kleiner und hat Flügeldecken, die kupferfarben glänzen.

Der Kupferstecher befällt am liebsten Fichten und Kiefern. Aber auch Douglasien, Sibirische Lärchen, Weißtannen und Sibirische Tannen stehen auf seinem Speiseplan. Dabei bohrt er sternförmige Gänge in die Bäume, die bis zu zehn Zentimeter lang sein können.

Weitere Borkenkäferarten

Ab etwa Mai macht sich der Obstbaumsplintkäfer auf die Suche nach Brutstätten. Der gut zwei Millimeter große Käfer hat einen schwarzen Kopf und einen schwarzen Brustkorb, seine Flügeldecken glänzen goldfarben. Er besiedelt bevorzugt Obstbäume wie Apfel, Quitte, Birne, Kirsche oder Pflaume. Daneben befällt er auch Weißdorn und Eberesche. Typisch für diesen Borkenkäfer sind senkrechte Fraßgänge, die fünf bis 13 Zentimeter lang sind und direkt unter der Rinde verlaufen.

Wie der Name schon andeutet, tauchen Thuja- und Wacholderborkenkäfer in erster Linie an Lebensbäumen, Wacholder und anderen Zypressengewächsen auf. Beide Borkenkäfer sind dunkelbraun und etwa zwei Millimeter groß. Einzelne Triebe, die sich braun verfärben, absterben und dabei meist deutlich sichtbar abgeknickt sind, sind Anzeichen für einen Befall mit diesen Borkenkäfern.

Der Ungleiche Holzbohrer

Zu den Borkenkäfern, die im Holz brüten, zählt zum Beispiel der Ungleiche Holzbohrer. Während die Männchen nur etwa zwei Millimeter groß werden, können die Weibchen mit 3,5 Millimetern fast doppelt so groß sein. Ein behaartes Brustschild und schwarzbraune Flügeldecken gehören zu den typischen Merkmalen dieses Borkenkäfers.

Geschwächte Obstbäume wie Apfel und Kirsche, aber auch Laubgehölze wie Ahorn, Eiche und Esche fallen dem Ungleichen Holzbohrer zum Opfer. Ein Befall ist an wenigen, kleinen Löchern in der Rinde und waagerechten, scharf abgeknickten Fraßgängen zu erkennen.

Andere Holz- und Borkenschädlinge

Leider sind es nicht nur Borkenkäfer, die die Pflanzen im Garten schädigen können. Vielmehr gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Holz- und Borkenschädlinge. Ein Beispiel dafür ist der Weidenbohrer. Hierbei handelt es sich um einen grauen Nachtfalter. Seine Raupen sind sehr groß, rot und riechen nach Holzessig. Der Weidenbohrer befällt vor allem Weiden, macht aber auch vor Birken, Eschen, Apfel- und Kirschbäumen, Eichen und Pappeln nicht Halt.

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Ein Befall mit dem Weidenbohrer zeigt sich durch Holzgänge mit einem Durchmesser von etwa 15 Millimetern. Sie sollten Ihre Pflanzen ab Juni kontrollieren. Entdecken Sie Fraßschäden, sollten Sie die Stellen mit einem scharfen Messer bis ins gesunde Gewebe herausschneiden.

Ein anderer Schmetterling aus der Familie der Holzbohrer ist der Blausiebfalter. Er kennzeichnet sich durch seine weißen, transparenten, mit blauschwarzen Flecken gemusterten Flügel. Die Raupen des Nachtfalters sind hell. Der Blausiebfalter besiedelt hauptsächlich Jungbäume, bei denen er im Kernholz bis zu 40 Zentimeter lange Gänge bohrt. Ein Befall tritt zwischen Juli und September auf.

Woran erkenne ich einen Befall mit Borkenkäfern?

Ein wichtiges Indiz für einen Befall mit Borkenkäfern sind Bohrlöcher im Stamm und in den dickeren Ästen. Je nach Käferart sind die Löcher zwischen einem und fünf Millimeter groß, teilweise befinden sich kleine Harztropfen an den Löchern. Auch braunes Bohrmehl am Fuß des Baumstamms deutet auf Borkenkäfer hin.

Das Bohren von Gängen zerstört lebenswichtige Leitungen der Bäume. Die Folge davon ist, dass der Stamm, die Äste und die Zweige verkümmern. Oft wirft ein befallener Baum vorzeitig sein Laub ab. Im nächsten Frühjahr treibt der Baum kaum aus, wird krank oder stirbt sogar komplett ab.

Einige Arten von Borkenkäfern bilden mit Pilzen eine Lebensgemeinschaft, von der sie gegenseitig profitieren. Beim Baum kann das allerdings zu Holzfäule führen.

Wie kann ich einem Befall vorbeugen?

Schon geschwächte oder kranke Bäume sind besonders gefährdet. Denn sie verströmen einen Geruch, der die Borkenkäfer anlockt. Gesunde Bäume können sich meist alleine gegen einen Befall wehren. Dazu bilden sie Harz und verschließen damit die Löcher. Werden es aber zu viele Borkenkäfer, stoßen auch gesunde Bäume irgendwann an ihre Grenzen.

Bei trockenem und warmem Wetter können sich die Borkenkäfer besonders gut entwickeln. Ist es im Sommer heiß und lange trocken, leiden vor allem Flachwurzler wie Fichten, Douglasien und Hainbuchen oft unter einer schlechten Versorgung. Das macht sie anfällig für Borkenkäfer. Auch junge Bäume, die frisch gesetzt sind und gerade am Anwachsen sind, können leicht zum Opfer werden.

Ein weiteres Problem sind Stürme. Windbruch führt nämlich dazu, dass sich massenhaft Borkenkäfer über die verletzten Bäume hermachen.

Die wichtigsten Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um Ihre Gewächse im Garten vor Borkenkäfern zu schützen, sind folgende:

  • Achten Sie darauf, Bäume zu setzen, die für den jeweiligen Standort geeignet sind.
  • Wässern Sie vor allem Flachwurzler bei warmer und trockener Witterung ausreichend.
  • Versorgen Sie Ihre Pflanzen mit Nährstoffen, um sie gesund und kräftig zu halten.
  • Kontrollieren Sie gefährdete Bäume regelmäßig auf einen Befall. Vor allem bei einem Baumschnitt können Sie die Spuren der gefräßigen Schädlinge gut erkennen.
  • Lagern Sie Holz von befallenen Bäumen nicht als Kaminholz. Denn bis das Holz trocken ist, können sich die Borkenkäfer vermehrt und weiter im Garten verbreitet haben.
  • Locken Sie natürliche Helfer wie Schlupfwespen und Vögel in Ihren Garten. Sie gehören zu den Fressfeinden der Borkenkäfer.

Was kann ich gegen Borkenkäfer unternehmen?

Haben Borkenkäfer Bäume in Ihrem Garten befallen, müssen Sie aktiv werden. Solange nur einzelne Äste betroffen sind, sollten Sie diese sofort entfernen. Stellen Sie den Befall im Sommer fest, sitzen die Borkenkäfer meist noch in den Fraßgängen. Dann genügt es im Normalfall, wenn sie die befallenen Triebe großzügig herausschneiden.

Das Holz und die Rinde sollten sie dann aber nicht auf den Kompost oder in die Biotonne geben. Denn hier könnten die Borkenkäfer ihre Entwicklung beenden, schlüpfen und sich im Garten verbreiten. Bringen Sie das Holz deshalb entweder weg oder verbrennen Sie es sofort.

Haben die Borkenkäfer den Baumstamm besiedelt, muss im Winter meist das ganze Gehölz entfernt werden. So lässt sich vermeiden, dass die nächste Käfer-Generation schlüpft. Stark befallene Bäume werden Sie oft nicht retten können. Um wenigstens die anderen Gewächse zu schützen, wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als den betroffenen Baum zu fällen.

Eine direkte Bekämpfung der Borkenkäfer ist nicht möglich. Es gibt zwar Insektizide. Doch diese sind für private Gärten nicht zugelassen. Außerdem bringen sie oft nichts, denn die Borkenkäfer sitzen unter der Rinde. Dort sind sie gut geschützt und kommen so mit den Präparaten gar nicht in Kontakt.

Auch die Lockstoff-Fallen, die in der Forstwirtschaft genutzt werden, helfen im heimischen Garten nicht weiter. Das liegt daran, dass die Pheromone die Schädlinge gerade anziehen. Dadurch wird der Befall im Garten aber eher noch verstärkt.

Können Borkenkäfer in der Wohnung auftauchen?

Borkenkäfer wandern nicht von alleine aus dem Wald, Park oder Garten in die Wohnung. Wenn Borkenkäfer in der Wohnung auftauchen, dann sind sie in den meisten Fällen über das Kaminholz hinein gekommen.

Dazu müssen Sie wissen, dass Borkenkäfer zu den sogenannten Frischholzinsekten gehören. Frischholzinsekten befallen das Holz von Bäumen, die leben oder kürzlich gefällt wurden. Entscheidend ist, dass das Holz noch Saft enthält. Außerdem legen die Insekten ihre Eier nur in Holz, das eine Rinde hat.

In Holz, das trocken und entrindet ist, können sich Borkenkäfer nicht verbreiten. Denn hier finden sie schlichtweg keine Nahrung. Allerdings können sie ihre Entwicklung in solchem Holz abschließen. Wenn die Käfer also ihre Eier in Holz abgelegt haben und dieses Holz dann neben dem Kamin gelagert wird, können die Borkenkäfer in der Wohnung schlüpfen. Die Wärme simuliert nämlich die Witterung im Frühjahr oder Sommer.

Doch selbst wenn das passiert, ist die Gefahr nicht allzu groß. Denn Borkenkäfer befallen kein trockenes und verbautes Holz. Die Möbel, das Parkett und auch Holzbalken sind deshalb nicht gefährdet.

Neben den Frischholzinsekten gibt es die Faulholzinsekten. Sie leben in altem Holz, das feucht und morsch ist oder von Pilzen befallen ist. Im Kaminholz kommen sie nicht vor und auch als Schädlinge in verbautem, trockenem Holz in der Wohnung spielen sie letztlich keine Rolle.

Die Gefahr für Möbel, Balken, Holzfußböden und andere Einrichtungsgegenstände geht von den sogenannten Trockenholzinsekten aus. Zu diesen Insekten gehören beispielsweise der Hausbock und der Gemeine Nagekäfer, der im Volksmund auch Holzwurm genannt wird. Sie sitzen tagsüber in Ritzen und Spalten und futtern sich vor allem nachts durch das trockene Holz. Holzmehl und Löcher ins typische Spuren.

Tauchen solche Käfer in der Wohnung auf, muss ein Profi ran. Er kann die jeweilige Käferart bestimmen und Maßnahmen einleiten, um die Schädlinge gezielt zu bekämpfen.

Wie gehe ich bei Borkenkäfern in der Wohnung vor?

Insgesamt kommt es nicht allzu oft vor, dass Borkenkäfer in der Wohnung ihr Unwesen treiben. Denn sie leben unter den Borken von Bäumen. Daher kommt auch ihr Name. Sie brauchen die Nährstoffe, die in der Rinde und dem Saft der Bäume enthalten sind. An trockenem Holz in der Wohnung haben sie kein Interesse.

Sollten Sie Borkenkäfer in der Wohnung finden, die zum Beispiel aus dem Kaminholz geschlüpft sind, reicht es aus, wenn Sie die Tiere einsammeln. Außerdem sollten Sie grundsätzlich keine großen Holzmengen neben dem Kamin lagern. So verhindern Sie, dass es überhaupt zu einem Insektenschlupf in der Wohnung kommt. Wenn Sie ganz sichergehen wollen, sollten Sie Holz, das Sie verarbeiten, entrinden.

Finden Sie in der Wohnung kleine Löcher im Holz, Häufchen mit Holzmehl oder knarrt es seltsam, treiben meist andere Schädlinge Ihr Unwesen.

In diesem Fall sollten Sie einen Experten zu Rate ziehen. Er kann anhand der Spuren bestimmen, welcher Holzschädling aktiv ist und was Sie nun unternehmen müssen.