Wespen auf dem Balkon: Das sollten Sie tun

Infos zu Wespen auf dem Balkon
Wespen auf dem Balkon sind nervig – aber kein Grund zu Panik.

Es ist jedes Jahr das gleiche, nervige Spiel: Kaum hat man Kaffee und Kuchen oder Speisen und Getränke hingestellt und es sich im Garten oder auf dem Balkon gemütlich gemacht, sind auch schon die ersten Wespen da. Und damit stellt sich unweigerlich die Frage, wie man die gelb schwarzen Plagegeister wieder los wird. Schließlich haben Wespen keinen guten Ruf. Sie gelten als aggressiv und ihre Stiche sind schmerzhaft. Nun gibt es zwar jede Menge Tipps und Hausmittel, die dabei helfen sollen, Wespen zu vertreiben. Doch wie wirksam sind die Tricks? Wir haben uns schlau gemacht – und verraten, wie Sie Wespen auf dem Balkon vermeiden können.

Verständlicherweise werden Sie wenig Lust haben, Ihr Essen und Trinken mit Wespen zu teilen. Und natürlich ist es unangenehm, wenn die getigerten Insekten auf allem herumkrabbeln und auch vor einem selbst nicht Halt machen.
Wild herumzufuchteln, hilft dann aber nicht weiter. Denn davon lassen sich die Wespen nicht beeindrucken. Was also tun gegen Wespen auf dem Balkon und der Terrasse?

Zunächst ein paar grundsätzliche Infos zu Wespen

Es gibt viele Wespenarten. Doch nur zwei davon werden zu nervigen Plagegeistern für Menschen. Das sind zum einen die Deutsche Wespe und zum anderen die Gemeine Wespe. Sie mögen Kuchen, Eis, Obst, Wurst und süße Getränke genauso gerne wie wir. Dass liegt daran, dass diese beiden Wespenarten sehr gerne Süßes fressen. Außerdem suchen sie ständig nach eiweißreicher Kost, mit der sie ihre Brut versorgen können.

Alle anderen Wespenarten interessieren sich für Insektenlarven und anderes Kleingetier. Der Mensch und seine Nahrung sind ihnen völlig egal.

Je nach Witterung beginnt die Wespenzeit im Juli oder August. Der Wespenstaat hat dann seine endgültige Größe erreicht. Und die Arbeiterinnen sind nicht mehr mit der Aufzucht der Brut beschäftigt. Stattdessen können sie sich nun um ihre eigene Versorgung mit zuckerhaltiger Nahrung kümmern. Deshalb schwirren sie munter herum und freuen sich über einen schön gedeckten Garten- oder Balkontisch.

Ungefähr Ende September findet das Treiben sein Ende. Mit dem ersten Frost sterben nämlich alle Wespen ab. Nur die Jungkönigin sucht sich ein Versteck, in dem sie überlebt. Im nächsten Frühjahr baut sie dann ein Nest für ihren zukünftigen Staat, zu dem auch die fleißigen Arbeiterinnen gehören werden. Und so sind pünktlich zum Sommer die Wespen wieder da.

Tipps, Tricks und Hausmittel gegen Wespen auf dem Balkon

Alljährlich zur Wespenzeit kursieren verschiedenste Ratschläge, um Wespen loszuwerden. Altbewährte Hausmittel gegen Wespen sind genauso vertreten wie neue Tipps zum Wespen bekämpfen. Doch was davon funktioniert gegen die Wespenplage wirklich? Schauen wir uns die gängigsten Empfehlungen einmal näher an.

Kaffee anzünden

Ein alter Trick, der Wespen in die Flucht schlagen soll, lautet so: Geben Sie etwas Kaffeepulver oder ein paar Kaffeebohnen in eine feuerfeste Schale, legen Sie ein brennendes Streichholz dazu und warten Sie, bis der Kaffee glüht. Der brennende Kaffee setzt Röstaromen frei, die Wespen bis zu zwei Stunden lang auf Abstand halten sollen.

Wespen haben zwar sehr feine Riechorgane und können deshalb schon kleinste Duftmoleküle wahrnehmen. Allerdings dürfte der Rauch von brennendem Kaffeepulver für sie nicht so unangenehm sein, dass sie davon irritiert wären. In der Praxis funktioniert dieser Tipp deshalb nicht.

Natürliche Duftstoffe einsetzen

Ebenfalls ein Klassiker im Kampf gegen Wespen ist der Einsatz von Duftstoffen. So wird geraten, Hölzer und Kissen mit Ölen zu beträufeln, Duftkerzen aufzustellen, mit Nelken gespickte Zitronen auf dem Tisch zu verteilen oder Duftlampen anzuzünden. Stark riechende Pflanzen sollen ebenfalls helfen, Wespen fernzuhalten.

Es ist tatsächlich so, dass Wespen bestimmte Gerüche nicht mögen. Pfefferminze, Lavendel, Basilikum, Salbei, Weihrauch, Knoblauch, Tomaten und Nelkenöl gehören zum Beispiel dazu. Und wenn es sehr stark nach den ungeliebten Düften riecht, werden die Wespen vermutlich Reißaus nehmen.

Auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten verdünnt die Luft die Gerüche aber so sehr, dass die paar Duftmoleküle die Wespen kaum beeindrucken werden. Vor allem dann nicht, wenn sich die leckeren Düfte von süßen Speisen und Getränken dazumischen. Fraglich ist außerdem, ob Sie wirklich in einer Duftwolke aus Weihrauch und Nelkenöl sitzen wollen.

Wespen an eine andere Futterstelle locken

Die Idee, die zwei Schülerinnen im Rahmen des Wettbewerbs „Jugend forscht“ hatten, klingt einleuchtend: Fünf bis zehn Meter vom Tisch entfernt, wird eine Schale mit überreifen Weintrauben, anderem süßen Obst oder Limonade aufgestellt. Der Duft lockt die Wespen an und weil sie ihre eigene Futterstelle haben, bleibt die eigene Kaffeetafel verschont. Tierschützer bezeichnen diese Methode als Ablenkfütterung.

In der Praxis stellt sich aber nur ein Teilerfolg ein. Wenn Wespen einen bestimmten Ort auftun, an dem sie reichlich Nahrung finden, werden sie gezielt dorthin fliegen. Für einen Zwischenstopp auf dem Esstisch werden die meisten Wespen keinen Anlass sehen.

Doch jetzt kommt das große Aber: Gerade durch die Futterstelle wird das Gebiet für Wespen attraktiver. Weil mehr Nahrung da ist, kann deshalb nicht nur der Wespenstaat schneller wachsen. Sondern die Futterstelle kann immer mehr Wespen anlocken. Wenn es dann nicht weit entfernt, nämlich am Esstisch, verführerisch duftet, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Wespen auch diesen Ort wieder ansteuern.

Kupfermünzen auf dem Tisch verteilen

Kupfermünzen zwischen den Händen zu reiben und anschließend großzügig auf dem Tisch zu verteilen, soll dazu führen, dass die Wespen verschwinden. Die Erklärung dazu lautet, dass die Wärme, die durch das Reiben oder die Sonne entsteht, den Geruch von Kupfer verstärkt. Und weil Wespen den Kupfergeruch angeblich nicht leiden können, bleiben sie weg.

Dieser Trick gehört ins Reich der Mythen und Legenden. Vermutlich geht die Idee auf eine Zeit zurück, als dem Kupfer eine giftige Wirkung zugesprochen wurde. Den Wespen ist es aber völlig egal, ob Cent-Stücke auf dem Tisch liegen oder ob nicht.

Einen Papierball aufhängen

Oft wird geraten, Einkaufstüten aus braunem Papier zusammenzuknüllen und aufzuhängen. Der Papierball ist als Attrappe von einem Wespennest gedacht und soll den Wespen signalisieren, dass sich hier schon ein Wespenstaat niedergelassen hat.

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Wenn Sie Papierbälle als Deko aufhängen wollen, können Sie das gerne tun. Mit Blick auf die Wespen auf dem Balkon wird es aber wenig nützen. Denn die Wespennester, die gut sichtbar in einer Ecke des Balkons, unter dem Dach oder im Gebüsch hängen, gehören Wespenarten, die sich für den Menschen nicht interessieren.

Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe, die die sommerlichen Plagegeister sind, bauen ihre Nester entweder in Erdlöchern oder in dunklen Hohlräumen. Braune Papierbälle, die irgendwo herumhängen, beeindrucken sie nicht.

Auf Kleidung in bunten Farben verzichten

Wespen haben nicht nur einen sehr guten Geruchssinn, sondern erkennen auch Farben. Da sie bunte Farben mit blühenden Blumen verwechseln, steuern sie gezielt solche Flächen an. Rote, gelbe und blaue Kleidung ist deshalb im Sommer keine gute Idee. Und auch die Tischdekoration sollte besser unauffällig sein. Dieser Ratschlag ist ebenfalls oft zu hören.

Es ist zwar nicht ganz falsch, dass Farben bei der Nahrungssuche für Wespen eine Rolle spielen. Allerdings folgen sie in erster Linie den Gerüchen. Wenn es verführerisch duftet, reagieren Wespen darauf. Die Farbe interessiert sie nicht. Es gibt also überhaupt keinen Grund, das knallbunte Lieblings-T-Shirt im Schrank zu lassen.

Wespenfallen aufstellen

Fallen, die mit Bier, Limonade, Sirup oder anderen süßen Flüssigkeiten befüllt sind, sollen Wespen beseitigen. Klingt auch durchaus logisch. Schließlich locken die Fallen die Wespen an und wenn sie hineingefallen, ertrinken sie.

Eine Wespe, die gesund und fit ist, schafft es aber mitunter aus der Falle heraus. Die anderen Wespen verenden qualvoll. Außerdem sondert eine sterbende Wespe ein Pheromon ab, das weitere Wespen anlockt.

Dabei ist der Zusammenhalt unter Wespen sehr groß. Der Versuch, eine Wespe zu töten, führt dazu, dass die anderen Wespen vom Verteidigungs- in den Angriffsmodus wechseln. Sie werden aggressiv und stechen dann auch gerne zu.

Deshalb sollten Sie übrigens ebenso darauf verzichten, mit der Fliegenklatsche oder der Zeitung nach Wespen zu schlagen. Gleiches gilt für wildes Herumfuchteln.

Was wirklich gegen Wespen auf dem Balkon hilft

Eines gleich vorneweg: Es gibt kein Patentrezept, um Wespen auf dem Balkon ein- für allemal zu vertreiben. Aber Sie können einige Maßnahmen ergreifen, damit sich die Wespen bei Ihnen nicht wohlfühlen. Nämlich diese:

  • Stellen Sie Pflanzen wie Lavendel, Minze, Zitronenmelisse, Salbei oder Basilikum auf. Auch Tomaten bieten sich an. Diese Pflanzen geben einen Geruch ab, den Wespen nicht mögen. Und Sie haben eine schöne Deko für Ihren Balkon, die Sie sogar in der Küche nutzen können.
  • Entfernen Sie morsches Holz, das im Garten herumliegt, spätestens im Frühjahr. Die Wespenkönigin nutzt neben Erdlöchern nämlich gerne morsches Holz und Baumrinde als Winterversteck. Im Frühjahr wiederum nutzen Wespen das morsche Holz für den Nestbau.
  • Räumen Sie Fallobst zügig weg. Andernfalls lockt das überreife oder faulende Obst die hungrigen Wespen an.
  • Wespen mögen das zuckerhaltige Sekret von Blattläusen. Deshalb sollten Sie Blattläuse bekämpfen – auch Ihren Pflanzen zuliebe.
Der wichtigste und effektivste Tipp aber lautet: Lassen Sie keine Speisen und Getränke offen stehen.

Decken Sie Ihr Glas zu und trinken Sie süße Getränke nur mit Strohhalm. Stellen Sie Speisen erst direkt vor dem Essen auf den Tisch, räumen Sie das benutzte Geschirr gleich weg und wischen Sie den Tisch regelmäßig ab. Je weniger von den verführerischen Duftstoffen in der Luft liegen, desto weniger Wespen gesellen sich zu Ihnen.

Und wenn doch mal Wespen an den Tisch kommen – bleiben Sie ruhig.

Schreien Sie nicht herum, verzichten Sie auf hektische Bewegungen und pusten Sie die Wespen nicht an. Ihre Unruhe macht die Wespen aggressiv und die Gefahr, gestochen zu werden steigt. Bleiben Sie hingegen cool, fliegen die Wespen von ganz allein wieder weg.

Und was ist bei einem Wespennest auf dem Balkon?

Vielleicht werden Sie im ersten Moment ziemlich beunruhigt sein, wenn Sie ein Wespennest auf Ihrem Balkon entdecken. Aber Wespen sind weit weniger schlecht, als ihr Ruf. Denn Wespen sind nicht per se aggressiv und stecken sofort zu. Auf Angriff schalten sie erst dann, wenn sie sich bedroht fühlen und verteidigen wollen.

Wenn Sie auf ihrem Balkon, an einer windgeschützten Wand oder unter dem Dach des Gartenhauses ein Wespennest entdecken, stammt es nicht von der Deutschen Wespe oder der Gemeinen Wespe. Vielmehr hat es eine Wespenart gebaut, die dem Menschen nicht lästig wird.

Aus diesem Grund wird es nur in Ausnahmefällen notwendig sein, solche Wespennester entfernen zu lassen. Etwa dann, wenn die Wespen zur Gefahr für einen Allergiker oder kleine Kinder werden könnten.

Sie selbst sollten aber die Finger von dem Nest lassen. Versuchen Sie nicht, das Wespennest umzusetzen oder kaputtzumachen. Dadurch scheuchen Sie die Wespen nur auf und riskieren eine Attacke.

Wenden Sie sich stattdessen immer an einen Fachmann. Und der richtige Ansprechpartner in diesem Fall ist nicht, wie oft angenommen, die Feuerwehr. Stattdessen sollten Sie einen Schädlingsbekämpfer kontaktieren. Der Kammerjäger weiß, wie er das Nest der Wespen entfernen muss.

Gute Gründe, Wespen nicht zu töten

Letztlich wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben, als die Wespen im Sommer zu ertragen. Und wenn Sie sich umsichtig verhalten, ist ein friedliches Nebeneinander durchaus möglich. Zumal es einige Argumente gibt, warum Sie die schwarzgelben Insekten nicht töten sollten:

  • In Deutschland und in Österreich stehen Wespen genauso wie Bienen unter Artenschutz. Die Insekten grundlos zu töten, ist also gar nicht erlaubt.
  • Wespen jagen Mücken und Fliegen, Spinnen, Blattläuse und andere Insekten, die mindestens genauso nervig sind. Somit sind Wespen nützliche Tiere, die uns vor lästigen und teils schädlichen Plagegeistern schützen, das Ökosystem regulieren und bei der biologischen Schädlingsbekämpfung helfen.
  • Viele Tiere wie zum Beispiel Vögel ernähren sich gerne von Wespen.
  • Im Unterschied zu Bienen sind Wespen auch bei Regen und in der Dunkelheit unterwegs. Deshalb haben sie großen Anteil daran, dass Pflanzen im Frühjahr bestäubt werden.

Sehen Sie es also einmal so: Gerade für Sie als Gärtner können Wespen wertvolle Helfer sein. Und wenn auf dem Balkon oder im Garten alles blüht, wächst und gedeiht, werden Sie die paar Kuchenkrümel verschmerzen können.